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„Daumen hoch“ mit Mini-Implantat und Ergotherapie

13.11.2025

Wie Menschen mit einer Arthrose am Daumensattelgelenk (Rhizarthrose) behandelt werden können, war im Diakonie Klinikum Jung-Stilling Thema. Beim zweiten „Handforum Dreiländereck“ tauschten sich rund 80 in- und externe Teilnehmer aus.

Aus der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie führten Chefarzt Professor Dr. Steffen Schröter und sein Stellvertreter Dr. Michael Pausch durch die Fortbildung.

 

Erst der Daumen macht die Hand zu einem bedeutsamen und komplexen Greifwerkzeug. Diese Besonderheit hat den Menschen in seiner Evolution maßgeblich vorangebracht. So ist es uns möglich, täglich unzählige Aufgaben zu erledigen – ob Wasserflaschen öffnen, Einkaufszettel schreiben oder den Briefkasten öffnen. Eine zentrale Rolle kommt dabei dem Daumensattelgelenk zu. Oberarzt Björn Heindl, Handchirurg und Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, bot Einblicke in die Anatomie der Hand und erläuterte, dass das Daumensattelgelenk zwischen dem großen Vieleckbein und dem ersten Mittelhandknochen sitzt. Das Gelenk ist von 16 Bändern (Ligamenten) umgeben, die für Halt und Stabilität sorgen. Im Zusammenspiel mit Muskeln bietet der Daumen als „Gegenspieler“ zu den anderen Fingern umfangreiche Bewegungsmöglichkeiten: „Wir können zu einer Weintraube greifen, ohne sie zu zerquetschen und auch einen Backstein anpacken, ohne dass er uns aus der Hand fällt“, verbildlichte Heindl. Handbewegungen wie diese können jedoch zu starken Schmerzen führen, wenn sich der Knorpel des Daumensattelgelenks abnutzt. Mediziner sprechen dann von einer Rhizarthrose. In der Hand kommt es zu Kraftverlust, Schmerzen und einer eingeschränkten Funktion. Der Oberarzt nannte Zahlen. So tritt die Erkrankung häufig ab dem 50. Lebensjahr auf. Dabei sind Frauen 10- bis 15-mal häufiger als Männer betroffen. Bei 20 bis 30 Prozent der Erkrankten kommt es zu einer beidseitigen Rhizarthrose. Neben der altersbedingten Abnutzung des Gelenks können Folgen von Verletzungen wie unter anderem Brüche ursächlich sein.

 

Dr. Michael Pausch leitet im Siegener Diakonie Klinikum die Sektion für Hand- und Ellenbogenchirurgie. Bei der Fortbildung verdeutlichte er: „Zu uns kommen die Betroffenen meist dann, wenn konservative Methoden ihnen nicht weitergeholfen haben.“ Zu nicht-operativen Maßnahmen zählen unter anderem Physio- und Ergotherapien, das Tragen von Bandagen sowie auch Hyaluronsäure- oder Kortison-Injektionen. In frühen Stadien ist auch die Behandlung mit schwach radioaktiven Substanzen möglich, die in das Gelenk gespritzt werden (Radiosynoviorthese). Ein etabliertes chirurgisches Verfahren ist die sogenannte Resektionsarthroplastik. Dabei wird das große Vieleckbein komplett entfernt, damit es nicht mehr am Mittelhandknochen reibt. Aus Erfahrung weiß Dr. Pausch: „Das kann die Schmerzen zwar lindern, häufig resultiert daraus aber ein Kraftverlust.“ Ein weiterer Nachteil: „Da bei dieser Therapieform der erste Mittelhandknochen in die Lücke des entfernten Handwurzelknochens zurückwandert, verkürzt sich der Daumen.“ Deshalb haben Experten nach einer Alternative geforscht. „Man hat sich an Knie- und Hüft-Implantaten orientiert und eine Mini-Prothese für den Daumen entwickelt.“ 1969 kam das erste Silikonimplantat für den Daumen auf den Markt. Dieses führte jedoch häufig zu Entzündungen. So wurde zu verträglicheren Materialien gegriffen, und auch die Implantat-Formen wurden im Laufe der Jahre optimiert. Zwischen 1990 und 2010 entwickelte sich eine zementfreie Implantat-Generation. Und heute? „Derzeit setzen wir auf eine Endoprothese, mit der wir insbesondere die Länge des Daumens erhalten und zugleich seine Beweglichkeit und Funktion wiederherstellen können.“ Das liege vor allem an der besonderen Technik: „Das Funktionsprinzip ist mit dem einer Hüftprothese vergleichbar. Die modulare Mini-Prothese für den Daumen besteht aus einer Pfanne, einem Schaft und einer speziellen Kopf-Hals-Komponente. Bei der OP wird das Vieleckbein nicht entfernt, sondern die verschlissene Gelenkfläche durch das Implantat ersetzt. Aufgrund der doppelten Mobilität des Prothesenkopfes ist laut Dr. Pausch eine optimale Kraftverteilung möglich. Der Fachmann erläuterte, dass diese Prothesenart weltweit inzwischen mehr als 100.000 Mal in mehr als 30 Ländern implantiert wurde. Der rund einstündige Eingriff erfolgt unter Vollnarkose oder in Regionalanästhesie.

 

Dem chirurgischen Eingriff schließt sich zur vollständigen Genesung und Wiederherstellung der Handfunktion die Ergo- und Physiotherapie an. Wie sich diese gestaltet, erläuterte Ergotherapeutin Marion Bäumer aus Siegen. „Eines unserer wichtigsten Ziele ist es, die Patienten darin zu schulen, konsequent mitzuarbeiten und auch zu Hause zu trainieren.“ Dafür gebe es Übungen, welche die Patienten in ihren Alltag integrieren können – unter anderem mit einem Haushaltsgummi, einem Flaschenhals oder auch am Lenkrad im Auto. Mit im Blick haben Ergo- und Physiotherapeuten die Narbenbehandlung. In den ersten Wochen nach der OP tragen die Patienten noch eine Schiene. „Auch hier gibt es Übungen, die gut funktionieren, da die Langfinger und das Handgelenk frei gelassen werden“, so Bäumer.

Zum Abschluss der Fortbildung bot Oberarzt und Handchirurg Simon Bovelet dem Publikum die Möglichkeit für Fallbesprechungen. Selbst stellte der Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie eine Patientin vor, die unter der sogenannten Linburg-Comstock-Anomalie leidet. Das Krankheitsbild hat seine Ursache in einer angeborenen Verbindung von Beugesehnen der Hand. Diese anatomische Besonderheit führt dazu, dass sich beim Beugen des Daumens der Zeigefinger unwillkürlich und gleichzeitig mit beugt. Bovelet: „Meist haben die Betroffenen keine Beschwerden. In dem vorgestellten Fall hatte die Patientin aber Schmerzen. Sie versucht aktuell, mit handtherapeutischen Übungen eine Besserung zu erlangen.“

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