Infektionen in der Schwangerschaft: Risiko für Mutter und Kind
Infektionen in der Schwangerschaft standen als Thema im Mittelpunkt einer interdisziplinären Fortbildung der Klinik für Geburtshilfe und Präntalmedizin (Perinatalzentrum Level 1) am Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen.
Auf Einladung von Chefärztin Dr. Flutura Dede tauschten sich im Haus der Siegerländer Wirtschaft rund 120 Fachkräfte aus – darunter Gynäkologen aus Praxis und Klinik, Hebammen und Pflegekräfte – und folgten den Vorträgen der medizinischen Experten.
Infektionen zählen zu den zentralen Risiken für Mutter und Kind. Entsprechend groß war das Interesse an aktuellen Erkenntnissen und Empfehlungen. Markus Pingel, Chefarzt für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin / Perinatalzentrum Level 1 an der DRK-Kinderklinik Siegen, erläuterte die Risiken einer RSV-Infektion (Respiratorisches Synzytial-Virus) für Neugeborene und stellte die neue Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) zur passiven Immunisierung aller Säuglinge mit sogenannten monoklonalen Antikörpern vor – eine Maßnahme, die, so Pingel, Erkrankungen und Krankenhausaufenthalte deutlich reduzieren kann.
Prof. Dr. Martin Enders, Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie (Labor Enders, Stuttgart), gab einen Überblick über Toxoplasmose, Ringelröteln (Parvo-B19) und das Zytomegalievirus (CMV). Er betonte die Bedeutung regelmäßiger Labortests und verwies zudem auf Hygienemaßnahmen schon bei bestehendem Kinderwunsch. Wichtig sei, dass Schwangere nach Kontakt zu einer mit Ringelröteln infizierten Person zeitnah ihren Frauenarzt zur weiteren Diagnostik aufsuchen. Im Hinblick auf das Zytomegalievirus rät Enders, Schwangeren grundsätzlich eine Testung anzubieten. Auch bei einem auffälligen Hörtest eines Neugeborenen sollte ein CMV-Test erfolgen.
Dr. Flutura Dede zeigte Anzeichen in der Ultraschalluntersuchung auf, die auf vorgeburtliche Infektionen hindeuten. Auffälligkeiten im fetalen Gehirn, etwa eine Vergrößerung der Hirnventrikel oder Verkalkungen, könnten auf CMV hinweisen, so die Chefärztin. Bei Ringelröteln spielten kardiologische Befunde, wie zum Beispiel ein vergrößertes Herz des Ungeborenen, eine besondere Rolle. Mithilfe der Dopplersonographie lasse sich zudem eine Blutarmut beim Fötus frühzeitig erkennen und behandeln. Zum Abschluss stellte Dede zwei klinische Fallbeispiele vor, darunter eine CMV-Infektion in einer Zwillingsschwangerschaft – dieser Fall war auch in einer Fachzeitschrift publiziert worden.
Mit der Veranstaltung setzte die Klinik ihre erfolgreiche Fortbildungsreihe fort, die den Austausch zwischen Geburtshilfe und Neonatologie stärkt. Letztere beschreibt ein Fachgebiet der Kinderheilkunde, das sich mit der medizinischen Versorgung von Früh- und Neugeborenen befasst, die besondere Pflege, Überwachung oder Therapie benötigen. Das Diakonie Klinikum Jung-Stilling und die DRK-Kinderklinik Siegen betreiben seit 1995 gemeinsam das Perinatalzentrum Level 1 – das einzige dieser Versorgungsstufe in der Region. Beide Kliniken arbeiten seit nunmehr 30 Jahren eng zusammen, um Schwangere und Neugeborene auf höchstem medizinischen Niveau zu versorgen.
